Der Lehrer



"Wahrscheinlich gibt es nicht viele Berufe, an die die Gesellschaft so widersprüchliche Anforderungen stellt:

Gerecht soll er sein, doch taktvoll auf jedes Kind eingehen, Begabungen wecken, pädagogische Erziehungsdefizite der Elternhäuser ausgleichen, Sucht-Prophylaxe und Aids-Aufklärung betreiben, auf jeden Fall den Lehrplan einhalten, wobei hochbegabte Schüler und Schülerinnen gleichermaßen zu berücksichtigen sind wie begriffsstutzige. Mit einem Wort:

Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nord-südlicher Richtung zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Orten ankommen."


(Prof. Müller-Limmroht, "Züricher Weltwoche", 02.06.1988)




Samstag, 21. Mai 2011

Déjà-vu?

In den letzten Tagen konnte ich nicht schreiben, weil die Freundin D. da war und mich abgelenkt hat. Dabei ist schon wieder sooo viel passiert!

Der Donnerstag ist mein anstrengenster Tag: 7 Stunden, und nicht mal eine Doppelstunde, das heißt: abwechselnder Unterricht im Klassenraum und auf dem Sportplatz und fast stündliches Wechseln von Sport- zu Englischklamotten. Der Sportunterricht ist zur Zeit ein wenig anstrengend, weil wir in ein paar Wochen Zensurenschluss haben und noch nicht so viel geschafft haben. Das bedeutet: Leistungskontrollen im Akkord, in jeder Stunde muss ich Noten geben. Meine 10. habe ich trotz der Wärme einen Cooper-Test laufen lassen. Danach hatten die Schüler aber Pause - sie durften sich im Schatten erholen und wieder zu Kräften kommen vor der nächsten Stunde (erfreulicherweise hatten einige Jungen trotzdem Bock auf Bewegung und haben Fußball gespielt). Asryn und ihre Freundinnen Merle und Caro turnten auf diesen Barrieren herum, die es oft an Sportplätzen gibt. Asryn schrie auf einmal auf und hielt sich ihre Hüfte. Sie war gerade von der Barriere runtergerutscht, hatte sich irgendwie komisch zur Zeite gebeugt (sie wusste später selbst nicht mehr, was genau sie da gemacht hatte) und hatte nun furchtbare Schmerzen. Sie konnte kaum auftreten und hat den Weg zur Umkleidekabine nur mit meiner Hilfe geschafft. Weil ihre Mama arbeiten war und ihr Papa ohne Auto zu Hause, konnte sie auch nicht wirklich abgeholt werden - also habe ich den Krankenwagen gerufen. Zum 2. mal innerhalb einer Woche und zum 3. mal im Halbjahr (beim ersten Mal war eine Schülerin einfach so ohnmächtig geworden - sie war sportbefreit, saß auf der Bank und lag auf einmal auf dem Boden...). Asryn hatte protestiert, aber anders wäre sie nicht von der Schule weggekommen - und solche Hüftschmerzen wollte ich dann doch lieber abgeklärt wissen. 3 Krankenwagen mit Blaulicht machten sich auf den Weg zu unserer Schule - da war Action angesagt (so einen Wind machen die immer, es könnte ja wirklich etwas Schlimmes passiert sein)!! Nebenbei hatte ich eigentlich noch eine Sportstunde, aber die Schüler waren auf dem Sportplatz mehr oder weniger auf sich allein gestellt und haben zum Glück ausnahmsweise mal keinen Scheiß gemacht sondern waren eigentlich recht vernünftig.

Am Freitag hatte die Klasse von Asryn mündliche MSA Englisch-Prüfung. Ich war Protokollantin und sehr erleichtert, als ich Asryn auf Krücken angehumpelt kommen sah. Wenigstens war es nicht so ernst, dass sie im Krankenhaus bleiben musste! Leider hatte sie gar keine richtige Diagnose bekommen. Sie wurde zwar von allen möglichen Geräten durchleuchtet worden, aber die Ärzte waren ratlos, was da passiert sein konnte. Jetzt soll sie zum Unfallarzt, mal sehen, ob der was weiß...

Ansonsten waren die mündlichen MSA Prüfungen wirklich interessant. Folgende Dinge habe ich über die 10.Klässler rausgefunden:


1. Geld verdienen ist ihnen furchtbar wichtig. Alle, die nach ihren Vorstellungen über ihre Zukunft oder ihre Traumjobs antworteten, dass sie wahlweise ein großes Haus/zwei Autos/viel Geld haben wollten.

2. Nach ihren Urlaubsplänen befragt antworteten ausnahmslos alle Jungen: Alkohol trinken, Spaß haben, feiern gehn. Und mit den "Chicks" flirten.

3. Die allergrößten Machotypen werden ganz klein, wenn sie ein oder zwei Sätze auf Englisch sagen sollten. Niedlich!


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