Heute Wandertag. WANDERtag. Mit richtigem Wandern. Aboooo, voll unnötig, ich schwör, ich hab kein' Bock auf son......Immerhin waren nur 14 Schüler da, weniger als die Hälfte, UND Tim war auch mit dabei, sodass der Betreuungsschlüssel bei 1:7 lag, was richtig gut war. Zusammen mit der motzenden Meute und innerlich auch nicht total erbaut von so einem Wandertag gings ab Richtung Wald, der zum Glück direkt hinter unserer Schule anfängt. In der Zivilisation brauchten wir uns mit den Schülern wenigstens nicht blicken lassen. Während die Jungen sofort mit ihrer üblichen Kienäppelschlacht begannen, schlurfte ich lustlos mit den vier Mädels, die anwesend waren, ganz hinten. Zum Glück hatten Isa und Mellie Musik auf ihren Handys, die machte wenigstens ein bißchen wach. Und es wurde dann doch ganz gemütlich, als die zwei nämlich begannen, mich über sämtliche Einzelheiten ihres Lebens zuzutexten. Und ihre Süßigkeiten großzügig an mich verteilten. "Denn...isch mach Kuchen, und denn....isch mach auch Kerze an. Denn....isch mach noch Bild. Voll süüüüüß, wa Frau Schmidt? Ich bin nämlich voll gut. Isch schwör!" Aber Mellie ist nicht nur voll gut, sondern auch ne ziemlich Heulsuse. "Denn hat der Fahrstuhl angehalten. Also stecken geblieben. Ich setz mich hin und hab erstmal rischtsch geheult. Denn...mein Vater...fragt 'Was heulst du?'" Mellie hat nicht nur Platzangst, sondern auch Angst vor Flugzeugen, Wasser, Spinnen, Dunkelheit und schlechten Träumen. Wie man bei so vielen Ängsten ein so normales Leben führen kann! Mellies Freundin Isa hat auch einiges von ihrem Leben berichtet, endlich mal, da weiß ich wieder bescheid und bin up-to-Date. Beide Mädels sind übereifersüchtig auf die Zehntklässlerinnen, weil die gerade Ausflug machen mit ihren Freunden. Über die Zicken sind das! (Also die Zehntklässlerinnen jetzt).
Die Jungs fanden die Wanderung insgesamt wahrscheinlich ziemlich öde, aber als wir einen Trimm-Dich-Pfad gefunden haben, hatten sie doch Spaß an den Ringen und Kletterstangen und haben mir Ethiklehrer Tim um Eis gewettet, wer wieviele Klimmzüge schafft. Zweimal haben wir Schüler im Wald verloren, aber zum Glück haben die Kids kräftige Lungen und konnten sich mit Schreien ganz gut mit uns verständigen. Die Idee, ein Taxi zu rufen wurde von den Schülern verworfen, als ihnen klar wurde, dass sie gar nicht sooooo genau wissen, wo sie eigentlich sind (im Wald, also, in Reinickendorf, also....aboooo, voll dumm, ich schwör, Frau Schmihidt, sagn Sie doch ma, wo wir sind...). Halb zwölf sollte der Wandertag vorbei sein, genau eine Minute später mussten wir noch 500 Meter zur Schule gehen und der Schülerprotest brach erneut über uns herein ("Ich verklag die Schule, jetzt isses schon 11:31 Uhr, und ich hab nen Mückenstich, das is voll unnötig!"). Aber fünf Minuten später hatten wir es alle geschafft. Morgen gehts dann weiter mit ganz normalen, entspannten Unterricht.
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